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Name : Therese Kobencic
Geburtsdatum : 22.10.1923
Geburtsort/ Land : Altheim
Beruf : Dienstmädchen, Hilfsarbeiterin
Therese Kobencic: „Ich habe ja nie Angst gehabt, weder vorm Hitler noch vor sonst jemandem, überhaupt nicht, und ich habe auch immer meine Meinung gesagt und bin auch immer gut gefahren damit."
Angaben zum Leben vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Therese Kobencic, geborene Langmair, wird am 22. Oktober 1923 in Altheim (OÖ) geboren. Ihr Vater ist Metzger, die Mutter Hausfrau, ihre wichtigste Bezugsperson ist aber der Großvater mütterlicherseits. Die Familie ist arm, Eltern, Großvater und drei Kinder bewohnen eine winzige Stube und zwei kleine, nicht beheizbare Zimmer am Weinlechnerplatz im Altheimer Arbeiterviertel.
1933 erlebt sie wie in ihrem Heimatort Nazis und Kommunisten aufeinander prallen, ein getöteter Nazi bleibt zurück. Interessiert verfolgt das aufgeweckte Mädchen die sich zuspitzenden politischen Unruhen, die große Arbeitslosigkeit, das Gerede über Adolf Hitler, der die Nachbarn (Deutschland) offenbar aus der Not befreit hat, und die zunehmende Präsenz der illegalen Nazis.
1937 beendet Therese die siebenjährige Volksschule. Da für eine weitere Schul-, bzw. Berufsausbildung kein Geld vorhanden ist, beginnt sie Anfang 1938 in Altheim als Dienstmädchen zu arbeiten. Sie verdient sehr wenig und ist nicht krankenversichert. Als Hitler am 12. März 1938 (Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich) in Braunau die Grenze überquert und auf dem Weg nach Linz in Altheim Station macht, begegnet Therese dem Führer zusammen mit ihrer Freundin auf offener Landstraße. Hitler grüßt die beiden Mädchen. Bis heute kann sie sich an das strahlende, lachende Gesicht des Führers erinnern. Einen Monat später, bei der Volksabstimmung zum (bereits vollzogenen Anschluß) stößt Therese der Opportunismus mancher ehemaliger „Schwarzer" (Christlich-sozialer) ab, die plötzlich auf Seiten Hitlers stehen.
1939, es ist schon Krieg, wechselt sie als Dienstmädchen in den Haushalt eines verheirateten evangelischen Pfarrers in Braunau und übersiedelt mit ihm 1940 nach Wien. Dort verbringt sie, wie sie selbst sagt, zwei sehr ruhige Jahre, muß die Stelle 1942 aber aufgrund einer schweren Erkrankung der Mutter aufgeben und nach Altheim zurückkehren.
Anfang ´43 wird sie dienstverpflichtet zum Luftwaffenstützpunkt am Freinberg bei Linz, erhält eine Ausbildung als Telefonistin und beginnt nach verschiedenen Kursen als Luftwaffenhelferin zu arbeiten. Zu ihrem Tätigkeitsbereich gehört das Einzeichnen von Feindeinflügen in Spiegelschrift auf großen Landkarten.
Um näher bei ihrer Familie zu sein, läßt sie sich nach einigen Monaten zu einer kleinen FLAK-Abteilung nach Braunau versetzen. Von dort kommt sie 1944 zusammen mit ihren Kameradinnen nach Passau (Kachlet-Werke), besucht einen Lehrgang in Dresden, und wird Ende ´44 zurück in die Heimat nach Steyr versetzt.
Am 1. Mai 1945 erhält sie einen bis Ende Juli (!) befristeten Urlaubsschein, obwohl das Kriegsende (8. Mai 1945) unmittelbar bevor steht. Sie verläßt Steyr, kommt über Enns zurück zu ihren Eltern nach Altheim, wo sie am 2. Mai um 02.00 Uhr morgens ankommt. Fünf Stunden später marschiert die amerikanische Besatzung in Altheim ein.
Am 8. Juni 1945 folgt Therese Kobencic dem Aufruf der Amerikaner, die alle Wehrmachtsangehörigen auffordern in das nahegelegene Mauerkirchen zu kommen. Da sie auf der Kriegsverbrecherliste nicht aufscheint, bekommt sie den Entlassungsschein ausgestellt.
Die Besatzungszeit verbringt sie in Salzburg, Wien, ab ´46 in Altheim.
Bis 1962 arbeitet sie dort in einer großen Sesselfabrik als Hilfsarbeiterin und ist im Betriebsrat tätig.
Therese Kobencic heiratet 1952, hat zwei Söhne, drei Enkel und drei Urenkelkinder.
Seit 1983 ist sie schriftstellerisch tätig und hat in Form von Gedichten (sowohl in Schriftdeutsch als auch in Mundart) unzählige Erlebnisse und Erinnerungen festgehalten.
„Hitler", sagt Therese Kobencic, „hat uns die gesamte Jugend verhaut. Ich bin dem Schicksal dankbar, daß ich heute die gute Zeit noch erleben darf."
Therese Kobencic:
„Anflug nach 14 Nord Dora Berta 5 7Anton"
Kindheit und erster BerufIch bin am 22. Oktober 1923 in Altheim im Innviertel geboren. Mein Vater war ein kleiner Gewerbetreibender. Das Verdienst reichte immer nur von der Hand in den Mund. Ich habe nur die siebenklassige Volksschule besucht. Eine andere Möglichkeit hat es ja nicht gegeben. Ich bin bereits 1937 aus der Schule entlassen worden. Dann stand ich auf der Straße, ohne Zukunftsaussichten. Ich bekam dann einen Posten als Dienstmädchen, aber nur drei Stunden pro Tag, damit man keine Krankenkasse für mich bezahlen mußte. Der Verdienst war zehn Schillinge. Also, das war auch für damalige Verhältnisse sehr wenig.
Billige DienstbotenFür’s ganze Monat habe ich das verdient: zehn Schilling. Das müssen Sie sich vorstellen. Ein billiger Mantel hat damals dreißig Schilling gekostet. Der billige! Und heute kann sich ein Lehrling von einem Monat Arbeit schon weiß Gott was kaufen. Ein Bauernknecht hat, wenn er das ganze Jahr gearbeitet hat, da ist zu Maria Lichtmeß der Lohn ausbezahlt worden, da hat sich nur der beste Knecht ein Fahrrad kaufen können für den Lohn eines ganzen Jahres. Und eine Frau natürlich um so viel weniger, da ist vielleicht ein Kleiderstoff herausgegangen für das, was sie ein ganzes Jahr lang gearbeitet hat. Und die großen Bauern, das war ja nicht wie heute, daß sie mit´n Traktor gefahren sind, die haben zehn, zwölf Dienstboten und mehr gehabt. Die haben ja eh nichts gekostet, nicht wahr?
„Sind ja alle Jahre schwanger gewesen, die Frauen..." Stellen Sie sich einmal vor, die eine Großmutter von mir hat 14 Kinder gehabt. Davon haben acht überlebt. Sechs sind gestorben, an Diphterie, Scharlach, Fraisen, was halt da die Kinderkrankheiten waren. Es hat ja nicht einmal einen Schnuller gegeben. Sie haben ein Leinenfetzerl genommen, da haben sie eine Brotrinde hineingetan, daran hat das Kind zutzeln können. Da sind ja die Kinder schon gestorben, weil es die Nährmittel ja überhaupt nicht gegeben hat, die wir heute haben. Da ist halt Mehl und Grieß angerührt worden, und dann ist die Milch zu stark gewesen, und dann haben die Kinder die Fraisen gekriegt, und dann sind sie gestorben. Und sie haben gesagt: „Najo, da Mocher lebt eh nu, net, next’s Joahr hab’n ma eh wieder oans, net?" („Naja, der Macher lebt eh noch, und nächstes Jahr haben wir dann wieder eines,...") Sind ja alle Jahre schwanger gewesen, die Frauen, das muß man sich ja vorstellen.
Ledige Kinder... die Frauen haben herhalten müssen...Eine Frau war ja immer die Dumme, es hat ja keine Aufklärung gegeben. Der Pfarrer war die Autorität in dem Ort. Der Pfarrer und der Lehrer und der Bürgermeister, die haben geredet. Na gut, und jetzt hat der Pfarrer natürlich gesagt, daß die Enthaltsamkeit eine Sünde ist. Die Leute haben es ja nicht besser verstanden. Und so sind halt die Frauen alle Jahre schwanger geworden, weil sie herhalten haben müssen, auf gut Deutsch gesagt. Na, und ohne Pille und ohne alles...
Und da ist halt der Großvater auch so ein lediges Kind gewesen. Ist da im Kobernaußer Wald drinnen aufgewachsen, das schildere ich ja da in meinem Buch. Die Mutter (Anmerkung: Mutter des Großvaters) hat sich dann nicht mehr um ihn gekümmert, und der Taufpate, der hat ihn zu sich genommen, weil er gehofft hat: „In a poar Johr‘ hob‘ i daun an billig‘n Knecht, der bei mir bleibt". („In ein paar Jahren habe ich dann einen billigen Knecht, der bei mir bleibt.") Derweil hat aber der Großvater nach Altheim geheiratet. Meine Großmutter war genau so arm (lacht).
Mit den Kommunisten wird es besser?!
Ja, das war am 1. Mai 1933. Da ist bei uns auf dem Weinlechnerplatz, wo sich die Arbeitslosen getroffen haben, ein Tisch gestanden, da ist ein Kommunist oben gestanden, und der hat gesagt: „So, jetzt kimmt da Kommunismus" („So, jetzt kommt der Kommunismus."), - das war noch die Zeit, als der Hitler da erst angefangen hat in Deutschland – „und dann kriegen wir auch was zum Essen."
Na, jetzt bin ich heim gelaufen und habe ich gesagt: „Mama, jetzt kemman d’Kommunisten, daunn kriag’n mia a wos zun Ess’n." („Mama, jetzt kommen die Kommunisten, dann kriegen wir auch was zum Essen.") Da ist die zornig geworden, meine Mama, und hat gesagt: „Wos verstehst’n du von da Politik? Du bist jo nu vui z’dumm! De han a do erst recht nix!" („Was verstehst denn du von der Politik? Du bist ja noch viel zu dumm! Die sind ja doch erst recht nichts!") hat meine Mama gesagt (lacht). Naja, und dann haben wir zu Hause halt ein Verbot gehabt, daß ich da nichts zu suchen habe bei dem Ganzen.
Böse auf Hitler
Der Hitler hat ja ´33 die Macht übernommen in Deutschland, ... Und der Weinlechnerplatz ist fünf Minuten von hier weg, ein großer Platz. Dort haben sich alle Tage die Arbeitslosen getroffen, sind in Gruppen beieinander gestanden und haben immer wieder gesagt: „Host du deine Wochan? Jo, kriagst du a Unterstützung?" („Hast du deine Wochen? Ja, kriegst du eine Unterstützung?") Die haben ja betteln gehen müssen, die Leute, das müssen Sie sich einmal vorstellen. Das kann man sich nicht ausdenken: Du hast ein paar Kinder und weißt nicht, was du ihnen zu essen geben sollst. Naja, da war ich zehn Jahre alt, weil ich ´23 geboren bin, und ´33 ist halt der Hitler immer im Gespräch gewesen, nicht: „Vom Hitler wird g’red’t, und in Deitschlaund wird’s jetzt auf amoi bessa, und die Leit kriag’n a Oarbeit." („Vom Hitler wird geredet, und in Deutschland wird es jetzt auf einmal besser, und die Leute kriegen Arbeit.") Da bin ich heimgerannt und habe gesagt: "Mama, oiweil red’n s‘ von dem Hitler. Wer is‘ denn des?" („Mama, immer reden sie von dem Hitler. Wer ist denn das?") Und sie hat gesagt: „Ah jo", hat sie gesagt, „der is‘ eh do bei uns auf d’Welt kemma, in Braunau." („Ah ja, der ist eh hier bei uns auf die Welt gekommen, in Braunau.") Und ich habe dann gesagt: „Jo und? Warum kimmt er daun net zu uns und huift uns? Oder woaß er’s leicht goar net, wia schlecht daß’s uns geht?" („Ja und? Warum kommt er dann nicht zu uns und hilft uns? Oder weiß er es vielleicht gar nicht, wie schlecht es uns geht?") „Jojo", hat die Mama gesagt, „des woaß er schon, aber des is‘ hoit a so." („Jaja, das weiß er schon, aber das ist halt so.") Darum war ich auch die erste, die auf den Hitler böse gewesen ist. Das habe ich (Anmerkung: in meine Erinnerungen) geschrieben: Ich habe das dem Hitler verübelt, daß er uns nicht hilft, daß wir nichts zu essen kriegen, und drüben in Deutschland haben sie es. (lacht) Als Kind hast du ja so Vorstellungen, nicht?
1000-Mark-Sperre Ja, die 1000-Mark-Sperre. Also, weil bei uns die illegale Zeit losgegangen ist. Jetzt hat sich der Hitler gerächt und hat die 1000-Mark-Sperre verhängt. Dadurch ist in Österreich der Fremdenverkehr zum Erliegen gekommen. Weil jeder, der in Österreich Urlaub machen hat wollen, hat 1000 Mark hinterlegen müssen. Und das haben sich natürlich die wenigsten leisten können, also sind sie nicht mehr nach Österreich gefahren.
Kommunisten und Nazis
Am Nachmittag (Anmerkung: des 1. Mai 1933) haben dann die Kommunisten, denn das war noch nicht illegal, einen Aufmarsch gemacht, und sind durch den Markt (Anmerkung: Altheim) marschiert, haben eine Fahne getragen, Hammer und Sichel, und haben gesungen: „Schwenket die blutroten Fahnen über die Arbeiter hin! " Und wir Kinder, ein ganzer Rattenschwanz, sind halt da hinten nachgerannt. Für uns war ja das eine Gaudi, eine Unterhaltung (lacht). Wie wir dann auf den Marktplatz hereinkommen, steht schon eine ganze Gruppe so junger Burschen – das sind die Nazi gewesen. Und die sind hin zu den Kommunisten, haben die Fahne gepackt und haben sie abgebrochen. Jetzt ist das Raufen losgegangen. Ich bin da beim Napoleon-Denkmal gestanden, herüben, und gegenüber beim Kriegerdenkmal war das. Ich bin heimgerannt: „Mei, jetzt raufen s‘ aso am Parkplotz!" („Mein Gott, jetzt raufen sie so am Parkplatz!") Hat die Mama gesagt: „Jo, du muaßt jo a überall dabei sein!" („Ja, du mußt ja auch überall dabei sein.") (lacht)
Und dann sind die Kommunisten geflüchtet. Gleich da bei uns ist auf der drüberen Straßenseite ein Haus, und das sind Kommunisten gewesen. Die haben oben im Dachboden, wo die Tram sind, Stroh drinnen gehabt, und das war alles mit Gewehren ausgelegt. Da wäre ein Putsch geplant gewesen, aber gegen die „Schwarzen". Und die Nazi sind da zurechtgekommen. Da ist bei den Fenstern herausgeschossen worden, und da haben sie einen Nazi erschossen. Und ein junger Bub, der mit mir in die Schule gegangen ist, der war im Nachbarhaus, dem haben sie eine Ferse weg geschossen. Der tote Nazi Franz Ertl ist dann in der Turnhalle aufgebahrt worden.
Aber dann ist das Militär von Braunau gekommen und hat aufgeräumt, und so ist die illegale Zeit losgegangen. Danach haben ja die Nazi nur mehr im Hintergrund arbeiten können, nicht wahr? (Pause)
„Hahnenschwanzler"
So ist die illegale Zeit angegangen. ... viele junge Burschen sind dann illegal hinüber (Anmmerkung: nach Deutschland), die haben dann drüben eine Arbeit gekriegt und so. Und da ist ja dann der Druck von der Heimwehr gewesen, wenn Sie das alles lesen, „d’Haunaschwanzler" haben wir gesagt, die waren ja sehr verachtet, unter dem Dollfuß. Und dann ist ja eh der ganze Wirbel (Anmerkung: Februarrevolte) gewesen – wie alt bin ich denn gewesen? ´34er Jahr, da bin ich 11 Jahre gewesen, und da hat uns der Lehrer von der Schule heimgeschickt, weil geschossen wird in Linz, im Hotel „Schiff" und an anderen Plätzen...
Februarrevolte 1934
Das war dann, die Sozialisten haben da mit den „Schwarzen". Und dann hat der Dollfuß an der Floridsdorfer Brücke die Kanonen aufstellen lassen und hat in die Gemeindebauten hineinschießen lassen, wie beim Schlingerhof, Goethehof, ...das waren damals die großen Gemeindebauten (Anmerkung: in Wien) schon, unter den Sozialisten. Und meine Tante, die hat im Schlingerhof gewohnt, da habe ich noch die Einschüsse gesehen, in der Wohnung, wie die „Schwarzen" hineingeschossen haben. Und dann sind ja auch da viele aufgehängt worden. Da ist ein Standgericht herausgekommen, sind Sozialisten aufgehängt worden,
und das ist dann gegangen, so lange, bis eben dann der Dollfuß erschossen worden ist, nicht wahr?
Und da war dann die illegale Zeit, und da ist es halt dann losgegangen, jetzt haben dann die Nazi heimlich also überall Hakenkreuze ausgestreut und aufgemalt, und das ist dann ohne Ende gegangen bis zum ´38er Jahr. ...illegal war das alles. Aber die Anhänger sind halt automatisch immer mehr geworden, weil sie gesehen haben, drüben (Anmerkung: in Deutschland) ist ein Aufschwung, und bei uns ist die Not, und so ist eben das Ganze herausgekommen.
Ruth Deutschmann:
Was ist über die „Hahnenschwanzler" geredet worden?
Therese Kobencic:
Schlecht. Schlecht. Also die waren sehr unbeliebt. Der Graf Starhemberg und der, und der Major Fey. Der Major Fey war einer von den ersten, und der hat damals im ´34er Jahr gesagt: „Morgen gehen wir an die Arbeit, und wir werden sie ganz leisten." Und da sind ja so viele Sozialisten aufgehängt worden dann, weil der Putsch ist niedergeschlagen worden da im Hotel „Schiff".
„Schwarze" gegen Nazis
Die Hakenkreuze, die haben sie aus Zeitungs-Papier ausgestanzt, und dann haben sie die Straße damit übersät.
Und junge Burschen, von denen die „Schwarzen", haben wir gesagt, die „Hahnenschwanzler", vermutet haben, daß sie Sympathisanten vom Hitler sind, die haben sie dann in der Früh aus den Betten herausgeholt, haben sie nicht gefragt: „Bist du dabei gewesen oder nicht?" Aus denen haben sie dann eine Gruppe zusammengestellt, links und rechts sind die Gendarmen gegangen, und der eine hat einen Kübel gehabt mit Farbe und der andere einen Pinsel, und dann haben sie diese ganzen Schandtaten wegputzen müssen. Sie haben ja oft auf einen Stadel oben ein Hakenkreuz aufgemalt, das haben sie dann alles herunterkratzen müssen oder vom Boden alles aufsammeln. So hat halt ein Keil den anderen getrieben, muß man sagen, bis eben ´38 dann das Ende war. Einmal ist ja sogar ein Hakenkreuz auf der Wiese aufgegangen, das haben sie im Herbst ausgesät gehabt. Dann haben sie die Papierböller geschmissen, da hat es dann wieder eine Fensterscheibe zerrissen irgendwo. Also, wie gesagt, es war eine unruhige Zeit.
Himmel, blutrot Das war, bevor der Hitler einmarschiert ist. Also, er ist am 12. März (Anmerkung: 1938) einmarschiert, und das, man dachte in dem Moment ja überhaupt nicht, daß man sich das merken muß...
Aber ich meine, es war schon im Jänner, bevor der Hitler gekommen ist. Da sind die Leute auf die Straße hinausgerannt: „Um Gottes Willen! Was is‘ denn iazt los?" („Was ist denn jetzt los?") Da war der Himmel blutrot. Blutrot. „Jessas Maria, iazt kimmt a Kriag!" („Jetzt kommt ein Krieg!") haben die Abergläubischen gesagt. Und die anderen haben gesagt, die Aufgeklärten (Anmerkung: die Gebildeten) „Ah, des is ja doch a, a, a ..." – Nennen Sie es mir!
Ruth Deutschmann: Eine Art Polarlicht?!
Therese Kobencic:Nein, wie sagt man denn, am Polarmeer gibt es das ja auch, viel öfter. Na...
Ruth Deutschmann: Nordlicht?!
Therese Kobencic:
Ein Nordlicht war das! „Ein Nordlicht!" haben die Aufgeklärten gesagt, und die anderen haben gesagt: „Iazt kimmt a Kriag." („Jetzt kommt ein Krieg.") Und der Krieg ist gekommen. Ganz entsetzt waren die Leute, ich sehe das auch heute noch, weil der Himmel blutrot war. Nie wieder habe ich das dann gesehen, nie wieder. Es war, wie wenn es wirklich ein Vorzeichen gewesen wäre.
Der strahlende FührerNa, ich habe es ja erlebt. Jetzt müssen Sie sich vorstellen, am 12. März (Anmerkung: 1938) ist der Hitler in - das ist ja gerade16 Kilometer von uns weg - Simbach über die Grenze. Die deutschen Truppen sind gekommen, um sechs in der Früh rattern sie da schon daher, die Panzer. Na, und dann sind immer mehr Leute zusammengelaufen am Markt und haben geschaut. Die Soldaten, man hat es ja regelrecht gemerkt, daß sie Angst gehabt haben: Was passiert - gibt´s jetzt einen Widerstand oder was?! Es hat aber keinen gegeben, und dann, um 10.00 Uhr vormittags, schreit auf einmal ein so ein Soldat: „Mädchen,...". Die Soldaten haben von den Panzern herunter gegriffen und uns die Hand gegeben. Ich bin ein Mädchen gewesen mit 14 Jahren, so lange Zöpfe bis zu den Knien. Ein deutsches Mädchen halt (lacht). Naja, und jetzt sagt ein deutscher Soldat: „Mädchen, hast du den Führer schon einmal gesehen?" „Na, wiaso denn a?" („Nein, wie denn auch?") Das ist immer weitergegangen, und immer wieder haben sie geschrien: „Kennt ihr den Führer?!" „Na!" („Nein!") „Ihr lernt ihn noch heute kennen, er kommt ja noch heute zu euch."
Jetzt sage ich zu einer Freundin: „Waun des wirkli´ wohr is´, daß da Hitler heit nu zu uns kimmt, nau, do mecht´ i´n a wikli´ segn." („Wenn das wirklich wahr ist, daß der Hitler heute noch zu uns kommt, na, dann möchte ich ihn auch wirklich sehen.") Da haben sich ja die Leute gedrängt am Marktplatz, ein jeder wollte in der ersten Reihe stehen. Und so bin ich mit dieser Freundin auf der Landstraße da Richtung Mauerkirchen (Anmerkung: gemeint ist Braunau) hinaus gegangen. Und auf einmal ist der Hitler dahergekommen. Und zwar freistehend im Auto, der hat kein Panzerauto gebraucht wie der Papst. Das muß man auch einmal sagen. Da ist ein Lautsprecherwagen vorausgefahren: „Achtung, Achtung, jetzt kommt der Führer!" Und dann ist der Hitler, freistehend, im Auto gestanden, hat uns gegrüßt, lachend, weil er sich über den Empfang in Braunau so gefreut hat, weil die Leute ihm zugeschrien haben. Der ist direkt an uns vorbeigefahren und hat uns gegrüßt. Und dann ist er in den Markt hereingefahren, das war ungefähr um fünf Nachmittag, und um acht hat er dann schon in Linz eine Rede gehalten. Dann ist er am nächsten Tag erst nach Wien weitergefahren. Aber es hat keinerlei Bedrohung gegeben, kein Mensch hätte irgendein Attentat verübt. Wenn damals einer neben mir gestanden wäre und hätte den Hitler erschossen, dann wäre Millionen das Leben gerettet gewesen. Über das habe ich oft schon nachgedacht. Man hätte gesagt: „Des is´ a Mörder g´we´n." („Das ist ein Mörder gewesen.") Aber der hätte so vielen Menschen das Leben gerettet.
Weil er war ja ein Aggressator (Anmerkung: gemeint ist Aggressor), das muß man ja sagen, nicht?
Von jetzt an zählt nur mehr die Leistung
So, und jetzt müssen Sie sich vorstellen, jetzt kommt auf einmal der Hitler und sagt, das ist ganz wurscht, von wo du abstammst, oder von woher du kommst. Es zählt einzig und allein nur deine Leistung. Und da ist bei den Leuten das Selbstbewußtsein gestiegen, nicht? Weil zuerst hieß es: „Du bist arm geboren, also bleibst du arm, und du stirbst arm." Wir waren ja ähnlich, wie man sagt: wie in Indien – ein Kastenwesen. Die, die besser geboren sind, haben auch Chancen gehabt. Sind auch manche zum Studieren gekommen. Während ein Armer, der arm geboren ist, nie die Möglichkeit gehabt hat, daß er was wird. Es war ja zum Beispiel, wenn wir noch weiter zurück gehen, nicht einmal erlaubt, daß ein Geselle eine Meisterprüfung macht. Das war nur den Meistersöhnen vorbehalten, die Meisterprüfung. Und dadurch ist ja das Heer der Hilfsarbeiter immer da gewesen. Es hat ja dann nur Hilfsarbeiter gegeben. Nur wenn du der Sohn von einem Meister bist, kannst du wieder Meister werden. Und das war dem Hitler seine Taktik, der hat damit die Jugend eingefangen, muß ich sagen. BDM und die HJ, und dann sind die beschäftigt worden mit Sport, Spiel, Lagerfeuer und es ist fest gesungen worden, und das hat den Kindern natürlich gefallen. Müssen Sie so sehen. Und auf einmal hat einer zum anderen „du" gesagt. Sagen wir, die Kinder, die im Markt und ein bißchen besser aufgewachsen sind, die haben uns da vom Weinlechnerplatz nicht angeschaut. Weil wir waren ja von der, muß ich sagen, von der niederen Klasse (lacht), oder Kaste, nicht wahr? Und dann marschiert der Hitler ein, ja, und jetzt sind wir alle per du. Ganz egal, wer das ist, wir sind alle per du! Und das ist aber nur durch den Hitler gekommen, weil, der gesagt hat: „Also, mia sand eine Gemeinschaft, mia g’hern alle z’saumm, mia ziag’n alle an oan Strang." („Also, wir sind eine Gemeinschaft, wir gehören alle zusammen, wir ziehen alle an einem Strang.")
Darüber denke ich noch oft nach. Da sind ja Kinder gewesen am Markt, die sind stolz an uns vorbeigegangen, weil du ja, mein Gott, nur aus dem Arbeiterviertel bist, nicht wahr? Ja, und dann auf einmal sind die die Freundlichkeit in Person gewesen, wir sind lauter Kameraden gewesen. Das war wirklich die Taktik vom Hitler. Der hat den Leuten ein gewisses Selbstbewußtsein gegeben: „Waun i tüchtig bi‘, dann kaun i’s zu was bringa!" („Wenn ich tüchtig bin, dann kann ich es zu etwas bringen.") „Nur die Leistung zoit" („Nur die Leistung zählt"), hat er gesagt. (Pause)Ein Hirtenbrief unterschrieben mit „Heil Hitler"
In Wirklichkeit ist es ja so gewesen: Wie damals die Wahl war, also, der Hitler ist einmarschiert am 12. März (Anmerkung:1938), und dann am 10. April war die Wahl, die er ja zu 99 Prozent gewonnen hat, und da war die Kirche nicht unschuldig daran! Wissen Sie das? Die katholische Kirche war, weil Österreich war ein total katholisches Land, und die Leute, die haben ja nichts gekannt als wie am Sonntag in die Kirche gehen. Das war ja eine ganz, eine andere Situation wie heute. Und am 28. März - also, am 10. April war die Wahl - am 28. März ist ein Hirtenbrief in allen Kirchen Österreichs verlesen worden, der von allen Bischöfen unterschrieben war, und da - den kann ich Ihnen eh lesen lassen, weil, es ist ja im Buch drinnen. Also, und da ist gestanden, daß halt alle selbstverständlich den Hitler wählen sollen, nicht? Sind ja aufgefordert worden von der katholischen Kirche. Und der Innitzer hat mit „Heil Hitler" unterschrieben. Nur, das will heute niemand mehr wissen! ... Also, da gäbe es noch und noch zu sagen.
"Wir danken dem Führer, wir stimmen mit ja!" Und dann ist er gewählt worden, zu 99 3/4 Prozent, und was ich nie vergesse: Ich war damals gut 14 Jahre, habe also gar nicht abstimmen dürfen, bin damals aber in unserem Rathaus im Vorhaus gestanden. Und da ist gerade einer (lacht), von dem ich gewußt habe, daß er total der Heimwehr zugetan ist, herausgekommen und hat gesagt: „Wir danken dem Führer, wir stimmen mit ja!" Und dafür habe ich ihn regelrecht verachtet, weil ich mir gedacht habe: „Entweder der hot jetzt a so eine Aungst, daß er’s deswegen tuat." („Entweder der hat jetzt so eine Angst, daß er es deswegen tut.") Oder... Aber ich habe ihn verachtet, weil ich mir gedacht habe: „Du bist immer ein ‚Schwarzer‘ g’wesen, und jetzt drehst dich ganz einfach um? Ja, host du so viel Aungst vor dem Hitler?" („Du bist immer ein ‚Schwarzer‘ gewesen, und jetzt drehst du dich ganz einfach um? Ja, hast du so viel Angst vor dem Hitler?") Ich habe ja nie Angst gehabt, weder vorm Hitler noch vor sonst jemandem, überhaupt nicht, und ich habe auch immer meine Meinung gesagt und bin auch immer gut gefahren damit. Also, so ist es nicht, daß man gleich eingesperrt worden ist, wenn man irgendwas Verkehrtes gesagt hat. Ich weiß auch bei uns niemanden, der in ein KZ oder so was gekommen wäre. Also, ich weiß davon nichts. Nein, nein, so war das nicht, daß man sich regelrecht fürchten hat müssen. Jedenfalls, ich kann das nicht sagen.
Linz muß Weltstadt werdenUnd dann hat der Hitler die größte Aluminiumfabrik gebaut, drei Monate später, nachdem er einmarschiert ist. Wie schnell das gegangen ist, müssen Sie sich vorstellen. Dann ist gleich, vier Kilometer von uns entfernt, ein Staudamm gebaut worden. Weil Ranshofen ja so viel Strom gebraucht hat, haben sie ein eigenes Elektrizitätswerk gebaut. Und dann ist in Linz sofort die VOEST gebaut worden. Er hat ja gesagt, er baut jetzt die VOEST, damit die Leute in Linz Arbeit haben.
Hitler hat ja Linz als seine Heimat betrachtet. In Braunau ist er geboren, aber da ist er vier Jahre alt gewesen, wie sie von dort weggekommen sind, die Eltern. Der Vater war Zollbeamter, und da hat Hitler ja keine Erinnerung mehr an Braunau gehabt. Aber an Leonding, weil er in Leonding dann aufgewachsen ist. Für ihn hat Linz alles bedeutet. „Linz ist meine Heimat", hat er gesagt, und wenn er in Pension geht, dann verbringt er seinen Lebensabend in Linz.
Er hat ja auch so große Pläne gehabt. Er wollte, daß Linz die Superstadt wird, mit riesigen Straßen, und dafür hätten sie den Granit gebraucht von Mauthausen. Das war auch die Ursache, warum in Mauthausen das KZ gebaut worden ist. Das war natürlich Schwerarbeit, da haben sie die Leute hergenommen, für den Granit. Das war der Anfang. Und das hat sich dann natürlich ausgeweitet. Aber die Ursache war der Granit von Mauthausen.
Verlorene Jugend
Man muß sich einmal vorstellen: So ein kleiner Ort wie Altheim, da sind 266 nicht zurückgekommen. Ich war damals 16 Jahre alt, wo man sagt, jetzt ginge das Leben los, und da sind die meisten jungen Männer nicht mehr zurückgekommen. Da sind haufenweise die jungen Frauen übriggeblieben. Die haben ja keinen Mann gekriegt. Wenn einmal so viele fallen. Das müssen Sie sich vorstellen, über das redet heute sowieso kein Mensch. Tanz war eingestellt, also, wir haben von der Jugend ja überhaupt nichts gehabt. Ich bin in meinem Leben nie tanzen gewesen. Also das hat’s ja gar nicht gegeben. Ja, und natürlich sparen beim Essen. Wir haben nicht direkt gehungert, aber das war alles minimal! Wir haben eh keine Ansprüche gemacht, weil es einfach allen nicht anders gegangen ist.
„Räder müssen rollen für den Sieg, und Kinderwagen für den nächsten Krieg."
Die Mutter hat damals alles gegolten, denn das ist ja die „Trägerin" der Nation, und so sind die Frauen sehr geehrt worden. Dann hat es einen Witz gegeben, und der hat geheißen: „Räder müssen rollen für den Sieg, und Kinderwagen für den nächsten Krieg." Ha? (lacht)
Die Frauen sind sehr geehrt worden, wenn sie Kinder gekriegt haben, weil das die Pflicht der deutschen Frau ist, daß sie das Leben weitergibt. Und so haben eben Frauen, die vier Kinder gehabt haben, das Mutterkreuz bekommen, sind ausgezeichnet worden.
Ruth Deutschmann:
Und je mehr Kinder man gehabt hat, umso...
Therese Kobencic:
Desto angesehener war man natürlich. Dann hat es auch sofort eine Haushaltsbeihilfe gegeben. Wenn eine Frau geheiratet hat, hat sie sofort - wieviel, das kann ich nicht mehr sagen, ich war ja nicht dabei, ich habe ja nicht geheiratet - die haben dann eine gewisse Summe gekriegt, und bei jedem Kind, das sie danach gekriegt haben, ist ein Teil abgerechnet worden, und wenn sie vier Kinder gehabt haben, ist ihnen das ganze Kapital geschenkt gewesen. Also, sagen wir, sie haben für jedes Kind so und so viel gekriegt, und bei vier Kindern waren sie schuldenfrei. Ja, in der Weise haben die Nazi natürlich sehr viel getan, net? Sie wollten ja, daß viele Kinder und gesunde Kinder herkommen. Es hat ja auch gute Seiten gegeben, das muß man ja auch sagen, alles war nicht schlecht.
Eintopf-Sonntage
Über die habe ich mich immer geärgert. (lacht) Es sind ja ständig diese Parteibonzen am Sonntag herumgelaufen, und jedem haben sie diese Büchsen in die Hand gedrückt, und da mußtest du deine Mark hineinwerfen. Das hat mich furchtbar geärgert, weil da hat es geheißen, „wir bringen jetzt a Opfer, und mir ess‘n am Sonntag ka Fleisch, und dafür gibt‘s halt an Erbseneintopf oder an Gemüseeintopf, und des Geld, wos ma uns sparen, des geb‘n ma do eini, weil des brauch‘ ma jo olles zum Kriagführ‘n", auf gut Deutsch gesagt. („Wir bringen jetzt ein Opfer, und wir essen am Sonntag kein Fleisch, und dafür gibt es halt einen Erbseneintopf oder einen Gemüseeintopf, und das Geld, das wir uns sparen, das geben wir da hinein, weil das brauchen wir ja alles zum Kriegführen.") Und das hat mir wirklich nicht gepaßt! (lacht)
Menschen mit dem gelben SternEin Jahr später bin ich dann nach Wien gekommen (Anmerkung: Herbst 1940) und zwar in den Haushalt eines evangelischen Pfarrers. Habe da zwei Jahre in der Liechtensteinstraße im 9. Bezirk gewohnt, und es war – damals war ja schon Krieg – eine relativ ruhige Zeit. Als gute Christin bin ich jeden Sonntag hinaufgegangen in die Votivkirche, durch die Berggasse. Überflüssig zu sagen, daß ich das Wort „Sigmund Freud" nie gehört habe. Es waren damals ja ganz andere Verhältnisse. Es gab weder eine Tageszeitung noch sonst irgendwelche Informationen. Ich habe nur etwas erfahren, wenn ich einmal ins Kino gegangen bin, denn da habe ich dann einen Wehrmachtsbericht gehört. Aber so – ein Radio, das hatten wir ganz einfach nicht, und Fernsehen war ja nicht erfunden, und so hat man eben nur das gewußt, was man eben so zufällig gehört hat. Und in der Großstadt ist es ja nicht üblich, daß man sich mit den fremden Leuten auf der Straße unterhält. Und aufgefallen, daß ich mir gedacht hätte, „ja, das ist nicht in Ordnung": das war nie der Fall. Also das muß ich ganz ehrlich sagen. Und dann – ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich glaube, es war im Herbst 1941, da bin ich so wie jeden Tag einkaufen gegangen, und blieb dann ganz erstaunt auf der Straße stehen, weil mir so viele Menschen begegnen, die einen gelben Stern auf dem Mantel tragen. Ich hab‘ mir gedacht: „Was ist denn heute los?" Von der großen Judenverfolgung hab‘ ich bis dahin gar nichts gewußt. Ich habe dann auch gelesen, daß auf den Parkbänken gestanden ist „Für Juden verboten", und bin dann ganz entsetzt zu meiner Dienstgeberin und hab‘ ihr das erzählt. Die aber ist auf mein Gespräch gar nicht eingegangen und hat gleich von etwas anderem weitergeredet. Wahrscheinlich hat sie mir nicht getraut, hat gemeint, daß ich mich irgendwo verplappern würde. Und die hat ganz bestimmt gewußt, was da schon los ist.
„Hitler ist größenwahnsinnig geworden!"
Also, es war schrecklich. Ich habe mir gedacht: „Wos kummt jetzt auf uns zu?" („Was kommt jetzt auf uns zu?") Aber das Allerärgste war, wie Hitler den Russen den Krieg erklärt hat, denn da haben wir schon ein paar Jahre gehabt, in denen schon so und so viele gefallen sind. Und wie dann, das war - war das im Juni? ´41? Wann hat Hitler den Russen den Krieg erklärt? Ich glaube, im Juni ´41, ich kann es nicht mehr sagen. Steht das nicht drinnen? Jedenfalls war das ein strahlend schöner Sonntag, und ich war damals in Niederösterreich, seitwärts von Wiener Neustadt. Wir haben da, von dem evangelischen Pfarrer, so ein Sommerhaus gehabt.
Und da haben wir gehört, Hitler hat den Krieg erklärt. Damals habe ich mir gedacht: „Jetzt ist alles aus. Hitler ist wahnsinnig geworden. Ihm wird es genauso gehen wie Napoleon, er wird sich in Rußland seine Schläge holen." Und es ist auch genauso gekommen. Es ist ja unmöglich, wie soll man eine Grenze von über tausend Kilometer verteidigen, man muß sich einmal vorstellen, der ganze Nachschub... Die Soldaten sind zwar momentan fest hinein, aber dann haben sie Nachschub gebraucht, also, vom Benzin angefangen bis zu den Lebensmitteln, und eine Front über tausend Kilometer!
„Wir haben sie überrannt!"
Mein Bruder war bei dem Polenfeldzug dabei (Anmerkung: blieb dann im besetzten Polen stationiert), und dann hat er erzählt: „Mia san an der russischen Linie g’legen, damals in Polen." („Wir sind an der russischen Linie gelegen, damals in Polen.") Und beim Appell am Abend hat der Offizier gesagt: „Um fünf Uhr Früh greifen wir an!" Da haben sie dann angegriffen, um fünf in der Früh, und da, hat er gesagt, sind die Russen aus den armseligen Katen herausgestürzt: „Ja, um Gottes Willen, was ist denn jetzt los?" Die waren total überrascht, die Menschen. „Und mir hab‘n sie einfach überrennt" („Und wir haben sie einfach überrannt"), hat er gesagt. „Wir haben sie überrannt." Die Winter-Bandl
Und dann ist ja der furchtbare Winter gekommen, 1942, die Kriegserklärung war 1941, wie ich gesagt habe. 1942 war der furchtbare Winter. Da war so viel Schnee, daß er oben bei den Fenstern hereingeschaut hat, bei uns! Ich war damals in Wien, und da sind wir aufgefordert worden zum Schneeschaufeln. Wir haben in den Straßen schneeschaufeln müssen. Da sind Sie nicht mehr durchgekommen.
Und das war in Rußland ganz furchtbar. Da haben dann die Soldaten, die das überlebt haben, für die Uniform so ein rot-weiß-rotes Band gekriegt, das „Winter-Bandl" hat man dazu gesagt. Das waren die, die den Winter (Anmerkung: 1941/42) überstanden haben in Rußland. Und jetzt hat es an allen Ecken und Enden gefehlt. Da sind die Leute aufgefordert worden: „Tats Strümpf‘ stricken und Fäustling‘ stricken, die Soldaten in Rußland brauchen s‘ ja!" („Strickt Strümpfe und Fäustlinge, die Soldaten in Rußland brauchen sie ja!") Und das war wirklich für alle Menschen schrecklich, weil sie gesagt haben: „Wos? Des gibt’s jo einfach gar net, daß ma den Kriag g’winna kennan!" („Was? Das gibt es ja einfach gar nicht, daß wir den Krieg gewinnen können!")
Und der Herr Hitler hat damals etwas gesagt, was ich ihm wirklich, wirklich verübelt habe. Da hat er gesagt - so hat er sich nämlich verteidigt und herausgeredet - er hat damals gesagt: "Wenn ein Mensch dasteht, das Gewehr auf mich richtet, dann warte ich nicht, bis der zuerst schießt, dann schieße ich zuerst." Das hat er als Verteidigung gebracht. Und in Wirklichkeit ist das nicht wahr gewesen.
Hitler und Napoleon, eine Sorte...
Also, das war wirklich der totale Wahnsinn, da ist der Hitler einfach größenwahnsinnig. Er hat sich eingebildet, er kann jetzt die ganze Welt beherrschen. Und das hat noch keiner geschafft bis jetzt, noch keiner. Wir haben es ja mit dem Napoleon erlebt, heute sagen sie zwar „der große Korse", aber in Wirklichkeit, wissen Sie, was er einmal gesagt hat? Da haben sie ihn gefragt, was er denn dazu sagt, daß so viele Menschen sterben müssen. Und er hat zur Antwort gegeben: „Was kümmern mich die Millionen?" Heute sagen wir zwar „der große Napoleon", weil man eh nichts mehr weiß davon, auf Deutsch gesagt. Aber der war ja im Vergleich mit dem Hitler, kann man ruhig sagen, eine Sorte. (Pause)
Die sechste Armee marschiert in den Tod
Und das Furchtbarste, wirklich das Furchtbarste war Stalingrad. Das kann ich nie vergessen. Das war die Sechste Armee, und da war ein Teil noch in Altheim einquartiert, 14 Tage Urlaub zur Erholung. Und da hat meine Mama gesagt - hinter uns haben sie Stallungen gehabt, und da sind die Roß´ eingestellt gewesen, die sie gehabt haben - und da hat meine Mama gesagt, wie sie zum Abmarsch bereit gewesen sind: „De san daher kemma", hat sie gesagt, „ganz bleich. De hab‘n olle g‘wißt, sie marschier‘n jetzt in den Tod." („Die sind daher gekommen, ganz bleich. Die haben alle gewußt, sie marschieren jetzt in den Tod.")
Und wie viele sind denn gefallen? Wie viele sind gefallen? 374.000, oder sowas. Ich weiß es nicht auswendig. Und wie viele dann in die Gefangenschaft gegangen sind, und was die in Rußland mitgemacht haben, in Sibirien und so, das kann sich ja sowieso niemand vorstellen, und keiner hat ja in Wirklichkeit was getan gehabt. Der hat ja nur um sein Leben kämpfen müssen. Weil sonst hätten sie dich ja erschossen!
Eingerückt bei der Luftwaffe Ich bin dann (Anmerkung: im Sommer 1942), nach Hause gefahren, weil meine Mutter schwer krank war... Sie wurde operiert, und ich bekam dann vom Arbeitsamt die Aufforderung, ich muß wieder eine Arbeit annehmen. (09:22)Man war damals ja kein freier Mensch, es war ja richtige Diktatur. Ich mußte in das Arbeitsamt fahren, und man sagte mir, ich muß jetzt einen Posten annehmen, entweder in der Munitionsfabrik in Steyr, oder zur Luftwaffe. Nun, in eine Fabrik wollte ich nie, und so blieb mir eben nur die Luftwaffe.
Ich bin dann eingerückt, auf den Freinberg in Linz, und ich muß sagen, da haben mir ehrlich die Knie gezittert: „Was kommt jetzt auf mich zu?" Es war aber überhaupt nicht tragisch, und das war das Schöne bei diesem System: Es war eine Gemeinschaft. Also, die Führerin ist da gleich über die Stiege herunter gelaufen, hat meinen Koffer geschnappt und sagte: „So, du gehörst jetzt zu uns, wir sind eine Gemeinschaft, wir gehören zusammen."
Als Dienstmädchen zum Gefechtsstand Am nächsten Tag mußten wir dann antreten, alle jene, die frisch dazugekommen sind. Ein Oberst Cohrs, ein Mann mit Monokel, hat uns begutachtet und gefragt, was wir denn für Berufe haben. Nun, die eine sagte Verkäuferin, und die andere war in einem Büro, und ich war eben das Dienstmädchen. Und da hat der zum Schreien angefangen und gesagt: „Was bilden sich diese Arbeitsämter überhaupt ein, uns ein Dienstmädchen zu schicken? Bei uns muß man doch eine höhere Schulbildung haben!" Na, ich hab‘ gezittert wie Espenlaub. Dann hat er sich doch beruhigt und hat gesagt, er gibt mir einen Monat Zeit, ich sollte eine Ausbildung machen als Telefonistin, und wenn ich das nicht schaffe, na, dann soll ich eben in die Fabrik marschieren. Ich hab‘ es aber geschafft und war vier Monate Telefonistin, und dann wurde ich auf den Gefechtsstand verlegt und habe da in riesige Landkarten die Feindeinflüge eingezeichnet. Alles in Spiegelschrift, denn vorne sind ja die Offiziere gesessen und haben den Verlauf der Verbände, die da dahergeflogen sind, verfolgt. Und wenn dann die feindlichen Flieger auf hundert Kilometer in der Nähe waren, dann ist der Alarm ausgelöst worden, und die Menschen sind in die Keller geströmt.
Bombenangriffe und Spiegelschrift Das ist alles nach Gradnetzen gegangen. Das waren riesige Landkarten, und da sind wir hinten mit Kopfhörern gestanden, und das hat ja nicht geheißen: „Jetzt ist Anflug nach Wien oder Linz", sondern nach „14 Nord Dora Berta 5 7 Anton". Das ist mit dem Gradnetz gegangen. Der Nullmeridian ist in Greenwich. Das wissen Sie ja, von der Schule her. Und wir waren 14 Nord. Jetzt hat es nicht geheißen, Angriff ist auf Linz oder auf Wels, sondern 14 Nord Dora Berta 5 7 Anton. Das ist unterteilt gewesen bis auf 35 Kilometer, das Gradnetz, immer wieder verkleinert. Und da sind wir dann eben hinter der Landkarte gestanden, haben das im Kopfhörer gehört, also da ist jetzt ein Anflug, sagen wir, von hundert Bombern, viermotorig, je nachdem, was es halt gewesen ist, und da haben wir dann das Flugzeug gezeichnet, und auch, ob das jetzt viermotorig oder zweimotorig ist, da sind zwei oder vier Stricherl gemacht worden. Und das ist mit Fettstiften gezeichnet worden, und alles in Spiegelschrift, damit vorne die Offiziere das dann richtig gesehen haben. Die sind vor den Landkarten gesessen, haben das beobachtet: Wo fliegt jetzt der Verband hin? Und auf hundert Kilometer ist dann der Alarm ausgelöst worden. Und wenn sie hundert Kilometer wieder weg waren, dann ist die Entwarnung gegeben worden. In Kabinen sind extra noch Mädchen gesessen, auch wieder mit Kopfhörern, die haben das aufgeschrieben und die Zettel immer wieder den Offizieren herausgegeben, zur Kontrolle. Denn wenn ich zum Beispiel in 15 Süd zeichne, dann sind die Flugzeuge ganz wo anders in 14 Nord, ist ja klar, oder? Und so war eine Kontrolle da, nicht?
Ruth Deutschmann:
Wie sind Sie da ausgebildet worden? Das ist ja keine einfache Tätigkeit.
Therese Kobencic:
Jaja, aber das habe ich ganz gut geschafft. Ich habe dann Spiegelschrift genauso gekonnt wie die normale. Es ist alles eine Übungssache. Da war ich zur Ausbildung in Dresden, habe ich Ihnen ja einmal erzählt, nicht? Daß ich im Sommer ´44 in Dresden war. (räuspert sich) Und zwar war das sechs Kilometer von Dresden weg ein großer Fliegerhorst, Klotsche. Da habe ich dann eine Ausbildung gemacht und bin dann wieder zurück nach Österreich.
Keine Lust Führerin zu werdenUnd was ich heute noch als Glück betrachte: Mir hat damals der Kommandant den Vorschlag gemacht, ich soll in eine Führerinnen-Schule kommen, nach Stargad bei Berlin. Da habe ich gesagt: „I wui jo net." („Ich will ja nicht.") Er hat mir zur Antwort gegeben: „Auf’s Wollen allein kommt es nicht an." Aber er hat mich trotzdem in Ruhe gelassen, und wenn ich eine Führerin gewesen wäre, na, dann hätte es mir anders ausgeschaut bei Kriegsende, nicht? Also, das war echt mein Glück. Ich habe gleich gesagt: „Ja, i wui jo net." („Ja, ich will ja nicht.")
Was spielt sich denn da in Mauthausen ab?!
Gleich wie ich eingerückt bin, war ich Telefonistin. Und da ist einmal eine Kameradin zu mir gekommen und hat gesagt: „Du, i muaß da jetzt wos sog‘n. I bi‘ in Mauthausen dahoam. Und do gibt’s a Loga." („Du, ich muß dir jetzt etwas sagen. Ich bin in Mauthausen daheim. Und da gibt es ein Lager.") Ich habe die ganz dumm angeschaut und habe gesagt: „Wos für Loga?" („Was für ein Lager?") „Najo", hat sie gesagt, „hoit Vabrecha oder woaß i a net, wos des fia Leit han, de s‘ do einsperr‘n." („Naja, halt Verbrecher, oder, ich weiß auch nicht, was das für Leute sind, die sie da einsperren.") ... „Oba gaunze Züge kemman", hat sie gesagt, „und des sand feine Herr‘n, des kennt ma‘." („Aber ganze Züge kommen, und das sind feine Herren, das kennt man.") Und ich habe gesagt: „Hand des Vabrecha?" („Sind das Verbrecher?") „Des glaub‘ i a net" („Das glaube ich auch nicht"), hat sie gesagt, aber sie weiß nichts näheres...
Und da war eine Reichsdeutsche bei uns, und von der habe ich gewußt, daß ihr Freund bei der SS ist in Mauthausen, weil wenn wir frei gehabt haben, ist die immer für einen Tag nach Mauthausen gefahren. Jetzt gehe ich da prompt zu der hin und sage: „Du, sog amoi, wos spuit si denn do in Mauthausen o?" („Du, sag einmal, was spielt sich denn da in Mauthausen ab?") Ganz forsch habe ich das gesagt. „Aber das ist doch gar nicht wahr!" hat sie gesagt. „Das ist doch gar nicht wahr." Naja, habe ich mir gedacht, ich hätte es eh nicht geglaubt. Weil ich ja nie etwas gehört habe, wo ich mir gedacht habe, „das ist nicht in Ordnung". Also so habe ich nie was gesehen...
„Ihr Dresdener Zwerge kommt zuletzt in Eure Särge."
Ja, also, ich habe Ihnen eh gesagt, daß ich da in Klotsche war. Das ist zirka sechs Kilometer außerhalb von Dresden gewesen, ein großer Fliegerhorst. Und Dresden war ja auch eine der Städte, die verschont blieben, haben keine Angriffe gekannt. Und da haben wir einen Leutnant gehabt, und wenn halt der Unterricht auf´t Nacht aus war, dann hat er immer wieder gesagt: „Meine Damen, sehen Sie sich Dresden an, diese wunderbare Stadt!" Dann hat er geschwärmt, von der Semper-Oper, und vom Schloß, und von der Brühl´sche Terrasse, die großen Sehenswürdigkeiten. Ich bin da auch viel herumspaziert. Die Prager Straße, die war so wie in Wien die Kärntner Straße... Da habe ich mir viel angeschaut. Das waren ja unfaßbare Schätze, die da gewesen sind. Und dann ist ein Aufklärer, ein englisches Aufklärerflugzeug über unseren Fliegerhorst drübergeflogen, das hat Flugblätter abgeworfen. Und da ist draufgestanden: „Ihr Dresdener Zwerge kommt zuletzt in Eure Särge." Das war im Sommer ´44. Und dann, am – wann war denn der Angriff, am 14. Februar oder was, ´45!
Da bin ich dann einmal mit einer Reisegruppe nach Dresden gefahren, da waren wir in Berlin und Leipzig und weiß Gott wo. Und in Dresden sind wir vor dem Schloß gestanden, und die Semper-Oper ist ja wieder aufgebaut, und wir stehen da vor dem Schloß, und da war so eine junge Reiseleiterin dabei, die schildert den Angriff... Sie hat ihn eh nicht erlebt, weil sie ja noch viel zu jung gewesen ist. Und dann sage ich, ich steh‘ so mittendrin, sage ich: „Jaja, daß sowas ähnliches kommt, das habe ich schon im ´44er Jahr gewußt."
Jetzt hat sich die ganz empört umgedreht und hat gesagt: „Wie können sie so etwas sagen?" Na, sage ich: „Ganz einfach: Weil ich dagewesen bin." „Das hab‘ ich noch nie gehört", hat sie gesagt.
Die Angaben sind ja sehr verschieden. Es heißt, zwischen 300.000 und 400.000 Tote. Es waren ja so viele nicht registriert, dadurch kann man es gar nicht sagen, wie viele es tatsächlich gewesen sind. Und wie eben dann 50 Jahre der Krieg aus war, also ´95, da haben wir schon einen Fernseher gehabt, und da sehe ich doch eine Sendung über den großen Angriff. Da sagt ein deutscher Journalist zu einem Engländer: „Ja warum habt denn ihr überhaupt den Angriff noch gemacht? Der Krieg ist ja eh schon verloren gewesen, die Russen sind ja gerade noch hundert Kilometer weg gewesen?" „Ja", hat er drauf gesagt, der Engländer, „wir haben ja noch so viele Bomben gehabt. Was hätten wir denn tun sollen damit? Wir hätten sie ja nicht mehr verwenden können."
Ja! Und das hat mich geschockt, das kann man ruhig sagen.
Die Amerikaner, die haben mit uns Katz und Maus gespielt...Wiener Neustadt war am meisten bombardiert, da waren die Flugzeugwerke . Da waren noch 13 unversehrte Häuser, die gar keinen Bombenschaden gehabt haben. (Ja, was glauben Sie, wie viele Fliegerangriffe!) Es war ja so, ich habe die Feindeinflüge eingezeichnet. Um neun Uhr Früh ist es meistens schon losgegangen, also: ein Flug auf Kärnten, und dann Salzburg, nicht. Die haben ja mit uns Katz und Maus gespielt, die Engländer, (verbessert sich) die Amerikaner, die sind mit ihren Formationen hinaufgeflogen in die Tschechei, nach Budweis und so weiter. „Na Gott sei Dank", habe ich mir gedacht, „iazt san s‘ weg." („Jetzt sind sie weg.") Die sind aber schön umgekehrt und sind wieder zu uns hergekommen. Und dann haben sie Salzburg bombardiert oder Attnang oder Wels.
Fliegerangriff und „warme" Dauerwellen
Im letzten Kriegsjahr war das natürlich nur,... Wir haben ja vorher keine Luftangriffe gehabt, das ist ja erst im letzten Jahr passiert. Aber dafür hat es uns gereicht. Allein die Angst, die du ausstehst, das kann man ja gar nicht sagen. Jeden Tag haben wir uns denken müssen: „Na, heit hamma überlebt, oba wer i morgen a nu do sein?" („Na, heute haben wir überlebt, aber werde ich morgen auch noch da sein?")
Zum Beispiel hat es doch früher nur die „warmen" Dauerwellen gegeben, nicht?. Die „kalte" Dauerwelle, die gibt es ja erst, na, was weiß ich wie viele Jahre. Früher haben wir „warme" Dauerwellen gehabt. Ganz früher nur die Brennschere, da hat man beim Papier probiert, ist sie heiß, oder verbrennt sie das Papier (lacht), und dann hat man die Haare eingedreht. Naja, und dann ist halt die Dauerwelle bekannt geworden. Das waren so große Eisentrümmer, die man da am Kopf gehabt hat, das war ja ein großes Gewicht. Und jetzt war das unter dem Krieg, nicht? Mein Gott, habe ich Angst ausgestanden: Wenn jetzt ein Fliegerangriff ist, und ich habe das ganze Zeug drauf, und die gewissen Minuten, die das einwirken muß, (lacht) - da hat die Frisörin Angst ausgestanden, und du auch (lacht). Ja, im Ernst, wir lachen heute, aber es war tatsächlich so. Ich hab‘ da so viel Angst ausgestanden.
Busse nach Hartheim
Und etwas, das muß ich noch sagen. Da hat einmal... Hartheim, haben Sie von Hartheim einmal gehört? Das ist ein Schloß in der Nähe von Linz. Da haben sie gesagt, daß diejenigen, die behindert gewesen sind oder irgendwie debil, daß die da eine Spritze gekriegt haben. Das ist doch bekannt gewesen, daß es sowas gegeben hat. Und da war ich in Linz, und da hat mir einer gesagt, daß ihm ein Rauchfangkehrer erzählt hat, daß da nach Hartheim immer Busse kommen, da ist das Glas schwarz angestrichen, innen, damit man nicht sieht, wer da drinnen sitzt. Und daß der Rauchfangkehrer gesagt hat, am Dachboden oben sind so viele gebrauchte Kleider. Das wird von diesen Leuten gewesen sein, die da eine Spritze gekriegt haben. Aber das ist mir dann auch natürlich erst später gekommen: „Ah, des is‘ da g’we’n!" („Ah, das ist da gewesen.") Nun ist es aber so gewesen, daß nicht jeder, der, sagen wir, einen Fehler gehabt hat, weggebracht worden ist, sondern da waren in erster Linie die Gemeinden schuld. Denn wir haben am Weinlechnerplatz zum Beispiel einen gehabt, der ist nie über die Stufe von einem fünfjährigen Kind hinausgekommen. Der ist so alt wie ich und lebt noch heute, den können Sie heute noch anschauen. Und wie gesagt, der ist auf der Stufe von einem Kleinkind geblieben. Er lebt aber noch heute, dem ist nichts geschehen, und zwar deswegen, weil die Eltern da waren, die sich gewehrt haben. Wenn es aber irgendein Armer war, und es war, sagen wir, ein Bürgermeister und der war ein Fanatiker, dann ist das durchaus glaubhaft, daß der den in so ein Heim geschickt hat. Aber zwangsweise weggekommen sind sie nicht, das stimmt nicht. Weil es haben ja doch viele überlebt. Aber ohne Zweifel hat es das gegeben, daß sie die beseitigt haben.
<„Ja, begreift denn der Hitler nicht, daß der Krieg schon lange verloren ist?"
Wir haben uns gefürchtet, das kann man ja gar nicht sagen. Und wir dürfen nicht weg (Anmerkung: aus Steyr), wir müssen da bleiben! Und da haben wir gesagt: „Jo, begreift leicht der Hitler net, daß der Kriag scho‘ laung verloren is‘? Und wos mecht‘n der nu? Soll’nd leicht olle Leit nu sterb´n?" („Ja, begreift denn der Hitler nicht, daß der Krieg schon lange verloren ist? Was will der denn noch? Sollen denn noch alle Leute sterben?") So haben wir geschimpft, über den Hitler, aber das war ganz selbstverständlich, eigentlich.
Da war eine dabei, die war aus Sachsen. Und die hat den Hitler verteidigt bis zum Schluß. Da habe ich einmal gesagt: „Jetzt mecht‘ i wissen: Begreifst du net, wos der Hitler aug‘faungt hot? Wos, wia viel‘ Leit daß do jetzt scho‘ sterb‘n haum miass‘n." („Jetzt möchte ich wissen: Begreifst du nicht, was der Hitler angefangen hat? Was, wie viele Leute da jetzt schon sterben haben müssen.") Und sie hat gesagt: „Es ziagts olle üba‘n Hitler her. Des...", hat sie gesagt, „vergiß‘ i nia, daß, wie der kemma is‘, i des erschte Butterbrot gessen hob‘. Mir haum so eine Not g‘hobt in Deitschlaund, und wia der kemma is‘, daunn haum mir wos zun Ess‘n kriagt." („Ihr zieht alle über den Hitler her. Das vergesse ich nie, daß, wie der gekommen ist, ich das erste Butterbrot gegessen habe. Wir haben so eine Not gehabt in Deutschland, und wie der gekommen ist, dann haben wir was zum Essen gekriegt.") Ja, die hat ihn bis zum Schluß verteidigt, aber ich dann schon lang nicht mehr, weil ich mir gedacht habe: „Ja, das is‘ ja ein Wahnsinn, was der treibt".
Mein Mann erlebt das Kriegsende in Frankreich
Mein Mann ist auch ´20 geboren gewesen, mein Mann war ja aus Velden, ein Kärntner. Und der ist ´20 geboren, jetzt hat er gleich zum Arbeitsdienst müssen und ist automatisch zum Militär überstellt worden. Dann hat er den Krieg mitgemacht, er war oben in Narvik, Murmansk, das war die Eismeerfront damals, nicht? Und dann ist er in Rußland gewesen, und das Ende hat er in Frankreich erlebt. Ich habe eh gesagt, er war 1m 83 groß. Er ist in französische Gefangenschaft gekommen. Und da hat er dann gesagt - neun Monate war er in Frankreich in Gefangenschaft, und da ist er auf 49 Kilo abgemagert, in neun Monaten! Und da hat er immer gesagt: „Links und rechts hand de Kameraden vahungert." („Links und rechts sind die Kameraden verhungert.")
Ja! Und da war ein Kärntner Maler dabei, also einer, der halt gut zeichnen hat können. Und der hat oft auf ein Blatt eine Zeichnung gemacht und hat sie verscherbelt an die Wachmannschaften, für ein Stück Brot. Und der, hat mein Mann gesagt, „der hot ma‘s Leben g’rett‘, weil der hot mir als Kärntner, weil i a Laundsmaun g’we‘n bi, oiweil wieder a Stickl Brot geb‘n." („der hat mir das Leben gerettet, weil der hat mir als Kärntner, weil ich ein Landsmann gewesen bin, immer wieder ein Stückchen Brot gegeben.")
49 Kilo mit 1m 83!
Und dann hat er immer gesagt: „Gegen d‘Franzosen, gegen de gang i nu amoi freiwillig. Weil, de sand de Hund‘ g’we‘n", hat er gesagt. „Wia‘s daun kenna haub‘n, wia mia wehrlos g’we‘n hand, daun haub‘n se‘s zoagt, wos‘s hand." („Gegen die Franzosen, gegen die würde ich noch einmal freiwillig in den Krieg ziehen, weil die sind Hunde gewesen. Wie sie dann gekonnt haben, wie wir wehrlos gewesen sind, dann haben sie ihr wahres Gesicht gezeigt.) Und zuerst haben sie sich eh nicht gewehrt, sie waren ja in ein paar Wochen besiegt, nicht? Frankreich ist ja überlaufen worden, kann man sagen.
Generaloberst Lothar Rendulic ruft das Standgericht aus
Und zum Schluß ist das Standgericht ausgerufen gewesen, was mich doch damals echt geärgert hat. Dieser Generaloberst Rendulic, hat der geheißen, war der Kommandeur von Oberösterreich. ... Und dieser General Rendulic war schuld, daß noch so mancher Soldat sterben hat müssen, durch dieses Standgericht.
Ein gespenstischer Zug
Und dann, das war am 1. Mai (Anmerkung: 1945), sind wir entlassen worden, haben wir den Entlassungsschein gekriegt. Zwei, drei Tage vorher ist eine Kameradin daher gekommen, die war in Steyr drinnen, und wir haben drei Kilometer nach Gleink gehabt, und die hat gesagt: „Du! I hob jetzt wos g’seg’n!" („Du! Ich habe jetzt was gesehen!") – Am Weg: Einen ganzen Zug total armseliger Gestalten. Und hat sie gesagt: „De miaß’n s‘ von Ungarn auffa trieb’n hab’n." („Die müssen sie von Ungarn heraufgetrieben haben.")
Da werden sie wahrscheinlich von den KZ oder was, das weiß ich nicht so genau, was das für ein..., aber die war ganz entsetzt, wie sie den Zug gesehen hat. Also, von so was haben wir ja nie etwas gehört. Und ich habe das in dem Moment gar nicht so wahrgenommen, mir ist das erst später wieder eingefallen, weil ich ja zu der Zeit im Kopf so viele Sorgen gehabt habe: „Wos g‘schiacht jetzt mit uns? Kemma ma nu hoam oder, äh, derwischen uns d‘Russen, net?" („Was geschieht jetzt mit uns? Kommen wir noch nach Hause oder erwischen uns die Russen, nicht?") Aber hinterher denkst du dann so nach: Ja, das hast du gehört, ohne daß du es eigentlich richtig registriert hast. Ich stelle es mir halt so vor, daß sie da ein Lager geräumt haben, wie vielleicht schon die Russen gekommen sind, und haben die Häftlinge da nach Oberösterreich getrieben.
Urlaub von der deutschen Wehrmacht bis 31. Juli 1945
Es ist aber die Front in der Nähe von St. Pölten plötzlich zum Stillstand gekommen (Anmerkung: Wien war zu dieser Zeit schon besetzt) bis zum 1. Mai, und da haben wir noch antreten müssen, alle, der Kommandeur hat uns noch die Hand gegeben und gesagt: „Ihr seid noch jung und könnt noch einmal ein neues Leben beginnen. Ich nicht mehr." Er war ein Graf aus Oberschlesien und hat schon die Nachricht gehabt, daß die Russen sein Schloß besetzt haben und seine Familie auf der Flucht war. Der Mann ist über Nacht weiß geworden. Und dann haben wir eben noch einen Urlaubsschein bekommen, den ich ja heute noch besitze, den Sie anschauen können, und da wurde geschrieben, der ist befristet bis 31. Juli. Denn sollte die Front wieder, also wir wieder an Boden gewinnen, dann müssen wir am 31. Juli ´45 wieder einrücken. Obwohl jeder gewußt hat, das Ende ist ja da, aber man wollte es wahrscheinlich nicht zur Kenntnis nehmen.
Alles flüchtet gegen Westen
Und so - wie gesagt, ich hatte Glück auf der ganzen Linie - hat mich noch ein Lastwagen mitgenommen bis nach Enns. Die mußten damals Blindgänger entschärfen, also Bomben, die nicht losgegangen sind. Und ich kam dann also nach Enns, da ist es zugegangen, „Alles rennet, rettet, flüchtet", könnte man mit Schiller sagen. Also alles nur dem Westen zu, nur den Russen nicht in die Hände fallen.
Tote Augen in deutscher Uniform
Und ich hab‘ da vor einem Lastwagen gestanden, und da stand an der Bordwand „Verlorene Ehre" (Anmerkung: in weißer Schrift) Ich hab‘ mir gedacht, was soll denn das bedeuten? Weil ich vorne im Führerhaus niemanden gesehen hab‘, bin ich nach hinten gegangen. Und da bin ich erstarrt zu einer Salzsäule: Das ganze Lastauto war voll mit toten (Anmerkung: deutschen) Soldaten, die fliehen wollten. Und da ist mir ein Satz eingefallen, er ist glaube ich von Schopenhauer „Lieber Gott, wenn du es warst, der diese Erde erschaffen hat, dann möchte ich jetzt nicht an deiner Stelle sein. Das Elend in dieser Welt, es würde mich ja erdrücken."
Ein paar Soldatenhände haben mich dann gefaßt und auf ein anderes Lastauto gezerrt, und das ist Richtung Wels gefahren... uns somit war mein Leben gerettet.
Hitler ist tot, warum erst jetzt?
Am Bahnhof in Wels, das war also in den Abendstunden des 1. April (Anmerkung: gemeint ist der 1. Mai), sagte ein Eisenbahner: „Es versucht noch ein Zug, Braunau zu erreichen. Ob es gelingt, können wir nicht sagen, denn die Amerikaner sind ja bereits auf der bayerischen Grenze" - also drüber dem Inn. Wir sind dann bis nach Ried gekommen, es war vielleicht acht Uhr abends, und da hör‘ ich, wie ein Mann sagt: „Hitler ist tot!" Und ich habe mir gedacht: „Warum erst jetzt?" Wie vielen Menschen hätte man das Leben retten können, wenn man rechtzeitig eingesehen hat, daß der Krieg bereits verloren ist.
Ein Nazi von den Amis hofiert
Und wie der Krieg aus war, haben die Amerikaner da ihr Hauptquartier errichtet, in St. Martin in dem Schloß. Dieser General Rendulic ist mit allen Ehren von den Amerikanern nach St. Martin gebracht worden, und da hat er dann für Oberösterreich ,die Ka-, wie sagt man, die, naja, daß halt der Krieg zu Ende ist, die Kapitulation unterschrieben. Aber mit allen Ehren ist der hergebracht worden! Und wieviel Menschen haben wegen ihm sterben müssen! Und in den ´50er Jahren war der Herr schon wieder frei. So ist es in jedem System, ob das eine Diktatur ist oder etwas anderes, es gibt immer Hintertürchen, und wer die gewissen Beziehungen hat, der kommt durch, und der andere, der bleibt auf der Strecke. Jedenfalls hab’s ich so erlebt!
Russen und Amerikaner in Österreich
Die Russen, die hätten doch niemals den Krieg gewonnen, wenn nicht die Amerikaner gekommen wären. Die sind oben über das Eismeer gekommen mit den Schiffen. Die Russen waren nicht so vorbereitet, gar keine Rede davon. Und die sind ja in der Schnelligkeit dann vor Petersburg gewesen und vor Moskau, nicht? Da hat es dann in Wien damals noch einen Witz gegeben, der hat geheißen: „Wien noch immer in deutscher Hand!" Aber ein Jahr später haben wir das nicht mehr gesagt. Denn da waren dann die Russen vor Wien. „Wien noch immer in deutscher Hand!" – als Witz. (Pause)
Mußt du dir einmal vorstellen, jetzt stehen sie vor deinen Toren. Die Angst, die die Leute da drunten ausgehalten haben! Wir sind einmal mit einem Bus gefahren in die Gegend von Rosenau, das ist dort oben im Waldviertel. Und da hat uns ein Mann gesagt, da gibt es keine Frau, die nicht vergewaltigt worden ist von den Russen. Die Kampftruppen waren das. Das haben ja wir hier, durch die Amerikaner nicht erlebt.
Die sind dahergekommen, „Hello Baby! Come in!"
Ich war dann in Salzburg, und da hat man ja nicht einmal zwei Schritte gehen können, ohne daß ein Amerikaner dagestanden ist und hat gesagt: „Hello Baby! Come in!" Na, also, das war wirklich (lacht) -. Sie haben es halt versucht, ganz einfach. Ich war ja danach, wie ich gesagt habe, ´46 in Wien, und bei den Russen war das dann auch nicht, das waren nur die Kampftruppen. Die anderen waren ja zivilisierter, und die haben dann auch ein Verbot gehabt, die Russen, Frauen zu belästigen. Ich bin einmal auf einer Verkehrsinsel gestanden, da in Wien, ´46. Und auf einmal schaue ich, Jessas Maria, jetzt bin ich umkreist von lauter Russen, als einzige Frau. Es hat mich keiner belästigt oder angeschaut, keiner, nicht, das – war nicht.
„Wien lebt wie eine belagerte Festung"
Die hat erst bei Kriegsende begonnen, die wirkliche Not. Sie müssen sich einmal vorstellen, was in Wien los war, im Resselpark, das war nämlich das Zentrum vom Schleichhandel. Und wenn dann die Polizei gekommen ist, dann ist alles nach allen Seiten auseinandergestoben.
Und da haben wir eine echte Hungersnot erlebt in Wien. Wie gesagt, ich war ´46 schwanger, und da war eine solche Not in Wien, daß der Bürgermeister gesagt hat: „Wien lebt wie eine belagerte Festung." Ich denke heute noch daran, wenn ich in ein Milchgeschäft gegangen bin, und da sind ein paar Eier gelegen, und da habe ich hingeschaut darauf. Da hat es nämlich ein Ei gegeben pro Woche, aber nur für Kinder.
Also, das war minimal, was wir da zum Essen gekriegt haben. Und ich war eben schwanger, und da bin ich einmal mit einem Bäcker ins Gespräch gekommen. Der hat halt geschildert, wie’s Brot gebacken worden ist. Und ich habe regelrecht den Duft gespürt von dem frischen Brot. (Und ich sage,) Da habe ich mir vorgestellt, man kann das gar nicht sagen, wie glücklich man wäre, wenn man genug Brot essen dürfte. Oder hätte.
Und heute werden die Mülltonnen angefüllt. Da habe ich dann ja in Mundart ein Gedicht geschrieben, wie das Brot früher bei den Bauern gebacken worden ist. Und da habe ich zum Schluß geschrieben, also: „Wer einmal gehungert hat im Leben, der schätzt als größtes Glück, ich habe die schwere Zeit erlebt, ich kenne die Hungersnot. Wie dankbar wäre ich oftmals gewesen für ein einziges Stückl Brot." Das ist wirklich wahr gewesen. Sie müssen sich ja vorstellen, die Leute in einer Großstadt wie Wien, die haben oft die letzte Bettwäsche den Bauern gegeben, damit sie ein paar Erdäpfel gekriegt haben zum Überleben. Die Bauern haben natürlich auch die Lage ausgenützt und haben da für ein bißchen Butter alles genommen. Einmal hat eine gesagt: "Mein schönstes Kleid habe ich zu einem Bauern getragen, und die Bäuerin hat gesagt: ‚Na, für den Stall tut’s es schon.‘" Und du hast ja nichts gekriegt...
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